Vorschulkinder Aufgaben: Welche Aufgaben können Vorschüler zuhause übernehmen?

Geht es darum, ob und in welchem Maße Kinder im Vorschulalter zuhause mit anpacken sollten, so scheiden sich die Geister. Unabhängig davon, wie viel Wert auf die altersgerechte Mithilfe in Haushalt, Garten und Co. gelegt wird, ist es gar nicht so einfach, auszumachen, an welchen Stellen Vorschulkinder Aufgaben auf sinnvolle Weise übernehmen können. In diesem Beitrag beleuchten wir das Für und Wider und sehen uns einige Tipps für Eltern an, die sich dafür entscheiden, ihrem Kind gewisse Aufgaben zu überlassen. Außerdem erwartet Sie eine bunte Ideensammlung mit allerhand Tätigkeiten, die von Kindern im Vorschulalter erledigt werden können.

Pro und Contra: Sollten Vorschulkinder Aufgaben übernehmen müssen?

Zum Einstieg in die Thematik widmen wir uns den Pro- und Contra-Argumenten, die im Zusammenhang mit der Mithilfe von Kindern zuhause besonders häufig vorgebracht werden.

Contra: Kinder sollten ihre Kindheit ohne Verpflichtungen genießen dürfen

In einem Punkt sind sich die meisten Eltern einig: Kinder sollten eine unbeschwerte Kindheit genießen können und so lange wie möglich „Kind sein dürfen“. Aus Sicht mancher Eltern stehen feste Aufgaben, die Vorschulkinder zuhause übernehmen sollen, dem klar entgegen. Sie finden, dass Kindern keine Verpflichtungen dieser Art auferlegt werden sollten, da der „Ernst des Lebens“ noch früh genug beginnt.

Contra: Wenn Vorschulkinder Aufgaben übernehmen, muss man später ohnehin „nachbessern“

Ein weiteres gängiges Gegenargument bezieht sich darauf, dass Vorschüler ihnen überlassene Aufgaben nicht in der Qualität ausführen (können), in der es den Eltern selbst möglich ist. Daraus folgt: Möchte man, dass eine Tätigkeit so erledigt wird, dass das Ergebnis den eigenen Ansprüchen gerecht wird, muss man die Arbeit des Vorschülers ohnehin korrigieren und ordentlich „nachbessern“ – dann kann man das Ganze auch gleich selbst in die Hand nehmen.

Contra: Vorschüler sind mit zusätzlichen Aufgaben schnell überfordert

Besonders ernst zu nehmen ist dieses dritte Contra-Argument: Zusätzliche Aufgaben überfordern Vorschüler schnell. Natürlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass es zahlreiche Aufgaben gibt, mit denen Kinder im Vorschulalter überfordert wären, wenn sie diese vollkommen selbstständig erledigen müssten. Deshalb ist es so wichtig, die Vorschulkinder Aufgaben wohlüberlegt zu wählen und immer ein Auge auf den Aspekt einer potenziellen Überforderung zu haben.

Pro: Durch feste Aufgaben lernen Vorschüler, Verantwortung zu übernehmen

Womit wir bei den Pluspunkten, die für eine Mithilfe von Vorschülern zuhause sprechen, angekommen sind. Fakt ist, dass Kinder durch eine feste Aufgabenverteilung lernen, Verantwortung zu übernehmen. Sie erleben sich als ein wichtiges Zahnrad im Getriebe „Familie“, welches nur rund läuft, wenn sich jeder im Rahmen seiner Fähigkeiten einbringt und einen – im Falle des Vorschulkindes selbstverständlich einen kleinen – Teil der Verantwortung für das funktionierende Familienleben trägt. 

Pro: Das Übernehmen von Aufgaben schenkt Selbstsicherheit

Eines der stärksten Pro-Argumente überhaupt stellt die Wirkung, welche das Erledigen fester Aufgaben mit sich bringt, in den Mittelpunkt. Wenn Vorschülern Aufgaben überlassen werden, welche sie unter Einsatz dessen, was sie bereits gut können, erledigen können, kann dies eine wahre Quelle der Selbstsicherheit und des Selbstverstrauens sein. Das Wissen darum, was die eigenen Eltern dem Kind bereits zutrauen, und die Erfahrung, diese Aufgaben wunderbar meistern zu können, stärken das Kind in der Wahrnehmung seiner Selbstwirksamkeit und lassen es zunehmend mehr Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten und Potenziale fassen.

Pro: Vorschulkinder Aufgaben bereiten auf die Schule vor

Nicht zuletzt sei gesagt, dass Vorschulkinder Aufgaben hervorragend auf den Schulalltag vorbereiten. Denn: Spätestens mit der Einschulung wird das Kind damit konfrontiert, einfache Tätigkeiten völlig eigenständig erledigen zu müssen. Das fängt beim selbstständigen Umziehen vor und nach dem Sportunterricht an, erstreckt sich über das saubere Abheften von Arbeitsblättern und das zuverlässige Abgeben von Elternbriefen und endet bei Tafel- oder Mensadienst und ähnlichen Aufgaben, die in der Schule verteilt werden. Diesen Anforderungen gerecht zu werden fällt erfahrungsgemäß den Kindern leichter, die bereits zuvor daran gewöhnt waren, mit bestimmten Tätigkeiten betraut zu werden.

Ideensammlung: Vorschulkinder Aufgaben im Alltag

Nachfolgend finden Sie eine Liste mit allerhand Vorschulkinder Aufgaben aus vier grob umrissenen thematischen Kategorien. Lassen Sie sich inspirieren und gewinnen Sie einige Ideen für Tätigkeiten, die ideal zu Ihrem Kind, dessen Fähigkeiten und dessen Interessen passen.

Vorschulkinder Aufgaben Küche/Kochen/Essen

  • Zutaten aus dem Kühlschrank/der Vorratskammer holen
  • Eigenes Frühstück zubereiten (Müsli einfüllen oder Brot schmieren)
  • Eigene Pausenbrotdose füllen (ggf. unter Aufsicht)
  • Tisch decken und abräumen
  • Tisch/Anrichte abwischen
  • Geschirr abtrocknen
  • Spül-/Geschirrtücher auswechseln
  • Einkäufe einräumen

Vorschulkinder Aufgaben Kinderzimmer/Wohnzimmer

  • Spielzeug wegräumen
  • Bett machen
  • Sofadecken zusammenlegen
  • Geschirr (Glas auf dem Nachttisch, Teller auf dem Couchtisch etc.) wegräumen
  • Fernbedienung(en) aufräumen
  • Getragene Kleidung zum Wäschekorb bringen

Vorschulkinder Aufgaben Badezimmer/Wäsche

  • Wäsche aufhängen
  • Wäsche zusammenfalten
  • Wäsche in die Schränke räumen
  • Waschbecken abwischen (z.B. abends nach dem Zähneputzen)
  • Seife auffüllen

Vorschulkinder Aufgaben Garten/Balkon/Haustiere

  • Pflanzen gießen
  • Unkraut zupfen
  • Trockene Blätter von den Pflanzen entfernen
  • Tiere füttern
  • Tierpflege (z.B. Hund bürsten)

Aufgabenverteilung: Tipps zur Auswahl der Vorschulkinder Aufgaben

Die Entscheidung, welche Aufgabe(n) künftig in den Verantwortungsbereich des Vorschülers fallen soll(en), ist nicht leichtfertig sondern gut durchdacht und unter Berücksichtigung der zeitlichen, körperlichen und mentalen Kapazitäten des Kindes zu treffen. Als Eltern sollten Sie diese Tipps zur Aufgabenverteilung und zum Finden passender Tätigkeiten beherzigen:

Nach eins kommt zwei

Ganz grundsätzlich empfiehlt es sich, zunächst eine einzige Aufgabe ins Auge zu fassen und zu beobachten, wie gut das Kind damit zurechtkommt, diese im Alltag umzusetzen. Erst wenn dies zuverlässig und problemlos gelingt, kann nach und nach die ein oder andere weitere Aufgabe hinzugenommen werden.

An Interessen und Fähigkeiten orientieren

Das Projekt „eigenständig Aufgaben übernehmen“ ist zum Scheitern verurteilt, wenn die jeweilige Aufgabe ihrem Kind von Anfang an zuwider ist beziehungsweise einfach nicht liegt. Als Eltern können Sie selbst am besten einschätzen, welche Tätigkeiten Ihr Kind meistern kann, wo seine Interessen liegen und welche Aufgaben es womöglich überfordern und frustrieren würden. Interessiert sich Ihr Kind zum Beispiel für die Natur, wird es sich sicherlich leicht dafür begeistern lassen, sich um die Pflanzen zu kümmern. Ist es hingegen motorisch besonders fit, kann es diese Fähigkeiten optimal beim Zusammenfalten von Wäsche oder Einsortieren von Besteck einsetzen. Orientieren Sie sich an dem, was Ihr Kind gerne tut und gut kann, und wählen Sie die infrage kommenden Aufgaben davon ausgehend aus.

Auswahlmöglichkeiten anbieten

Stellen Sie Ihr Kind nicht vor vollendete Tatsachen, indem Sie ihm strikt eine bestimmte Aufgabe zuweisen, sondern schlagen Sie mehrere Tätigkeiten vor uns lassen Sie Ihr Kind die finale Entscheidung treffen. Selbst ausgesuchte Aufgaben werden erfahrungsgemäß mit deutlich mehr Motivation und Freude übernommen.

Erklären, Hilfestellung leisten, ausprobieren lassen

Es ist absolut normal, dass Ihr Kind die ihm neu anvertraute Aufgabe nicht auf Anhieb perfekt bewältigen kann. Stehen Sie ihm bei den ersten Versuchen zur Seite, leisten Sie Hilfestellung und zeigen Sie ihm, worauf es zu achten gilt. Mit der Zeit können Sie sich immer mehr im Hintergrund halten, bis Ihr Kind die Aufgabe schließlich ganz alleine meistern kann. Sollte der kleine Helfer beim Ausprobieren feststellen, dass er die gewählte Aufgabe (noch) nicht zu seiner eigenen (nicht zu Ihrer!) Zufriedenheit ausführen kann und/oder sie schon zu Beginn sehr ungern erledigt, spricht nichts dagegen, einen Schritt zurückzugehen und sich auf die Suche nach einer besser geeigneten Aufgabe zu begeben.

Vorschulkinder Aufgaben – Merksätze für Eltern

Für Eltern kann es eine echte Herausforderung sein, ihre Sprösslinge „machen zu lassen“, etwas Verantwortung an sie abzugeben und sie optimal auf dem Weg hin zur Selbstständigkeit in der jeweiligen Tätigkeit zu begleiten. Die folgenden Merksätze können Sie dabei unterstützen, Vorschulkinder Aufgaben zielgerichtet und zugleich rücksichtsvoll in den Alltag zu integrieren:

„Nicht erinnert ist halb vergessen“

Gerade am Anfang, wenn das Kind seine neue Aufgabe erst kennenlernt und noch keine Routine besteht, wird es deren Erledigung das ein oder andere Mal vergessen. Dahinter steckt kein böser Wille, es fehlt lediglich noch die „Gewohnheitskomponente“. Scheuen Sie sich nicht, Ihr Kind freundlich zu erinnern, verzichten Sie dabei jedoch auf allzu strenge Formulierungen, etwa „Du musst das jetzt sofort machen“ oder „Das muss jetzt gleich erledigt werden“. Falls es die Aufgabe zulässt – und es nicht etwa dazu führt, dass ein Haustier hungern muss – sollten Sie Ihr Kind weiterhin selbst entscheiden lassen, wann genau es seiner Aufgabe nachkommt. Erinnern Sie, aber erzwingen Sie nicht!

„Wer mit Lob spart, spart an der falschen Stelle“

Nichts motiviert und bestärkt Ihr Kind mehr als Ihr ehrliches Lob. Wenn Ihr Kind sich seiner neuen Aufgabe stellt, sollten Sie also nicht mit lobenden Worten sparen und es ordentlich dafür feiern, was es schon alles kann.

„Ein zugedrücktes Auge ist besser als ein demotiviertes Kind“

Das gilt auch dann, wenn die Aufgabe nicht zu 100% perfekt ausgeführt wurde! Loben Sie den Versuch und die Bemühung, nicht (nur) das Ergebnis. Und: Drücken Sie ein Auge zu. Wenn Sie ständig nachbessern und Ihr Kind übermäßig in dem, was es da tut, korrigieren, wird es schnell den Eindruck gewinnen, seine Sache ohnehin nicht richtig machen zu können – dann ist die Motivation dahin. Versuchen Sie, Fehler als die unausweichlichen Notwendigkeiten im Lernprozess anzusehen, die sie nun einmal sind, und konzentrieren Sie sich auf das, was toll klappt, anstatt auf die Punkte, in denen vielleicht noch „Luft nach oben“ wäre.  

Problemlösung: Was tun, wenn Vorschulkinder Aufgaben nicht erledigen?

Wenn Vorschulkinder Aufgaben übernehmen, kommt früher oder später der Tag, an dem diese einmal nicht erledigt werden. Mögliche Gründe gibt es viele: Vielleicht hat das Kind schlicht und ergreifend keine Lust, vielleicht fehlen ihm an diesem Tag die nötigen Ressourcen – zum Beispiel Konzentration – oder es ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich mit zusätzlichen Aufgaben befassen zu können. Was Sie in dieser Situation auf keinen Fall tun sollten, ist Strenge walten zu lassen und darauf zu beharren, dass die Aufgabe (sofort) erledigt wird. Suchen Sie stattdessen das Gespräch und fragen Sie Ihr Kind, warum es seiner Aufgabe nicht wie gewohnt nachkommen möchte oder kann. Bringen Sie Verständnis auf und rufen Sie sich folgendes ins Gedächtnis: Ein Kompromiss ist kein Beinbruch. So können Sie Ihrem Kind zum Beispiel vorschlagen, die Aufgabe heute gemeinsam zu erledigen oder aber einen Tag zu pausieren, um morgen in alter Frische wieder ans Werk zu gehen. Das ist allemal besser, als Ihr Kind aus dem gut gemeinten, aber zumeist unfairen Streben nach Disziplin und Verantwortungsbewusstsein zu drängen und seine Bedürfnisse damit zu übergehen. Sinnvolle, lohnenswerte und fördernde Vorschulkinder Aufgaben sollten niemals gegen den Willen des Kindes durchgesetzt werden, wobei dann im schlimmsten Fall eine hochgradige Überforderung übersehen wird. Besser ist es, ausführlich mit Ihrem Kind darüber zu sprechen, was genau es bräuchte, damit es die jeweilige Aufgabe erledigen könnte, und nach konkreten Wegen hierfür zu suchen. Die „richtige“ Vorgehensweise liegt nur allzu oft genau in der Mitte zwischen Konsequenz und verständnisvoller Einfühlsamkeit.